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Samstag, 2. November 2013

Peacemaking, Peacekeeping, Peacebuilding


"Erfolgreich gewaltfrei" geht zurück auf eine Studie des deutschen Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa). Sie zeigt Wege auf, Konflikte ohne Waffengewalt zu beenden oder diese gar nicht erst eskalieren zu lassen.


Die gewaltlose Austragung von Konflikten hat nichts mit einer passiven Haltung oder gut gemeinten, aber letztlich fruchtlosen Appellen zu tun. Ihr Potenzial ist groß, bislang aber nicht ansatzweise ausgeschöpft. Ausgehend von dieser Annahme werden hier professionelle Ansätze und Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung von der Prävention über die Suche nach Konfliktlösungen (Peacemaking), dem Schutz vor Gewalt- und Menschrechtsverletzungen (Peacekeeping) bis hin zur Friedenskonsolidierung (Peacebuilding) präsentiert.

Den Erfolg dieser Maßnahmen dokumentiert "Erfolgreich gewaltfrei" mit über 20 positiven Beispielen von der Konfliktprävention in Mazedonien, die Arbeit von Friedensbrigaden in Kolumbien, die Überwachung des Waffenstillstands auf den Philippinen oder den Beitrag von Mikrokrediten zum friedlichen Miteinander in Bangladesch.

Die umfassende Bestandsaufnahme richtet sich neben der interessierten Öffentlichkeit an Entscheidungsträger in Politik und Medien. Diesen will sie einen praxisnahen und entscheidungsorientierten "Werkzeugkasten" professioneller Methoden für eine Konfliktbearbeitung an die Hand geben, die den Einsatz von Gewalt ausschließt.

[ #Heimat #Politik #Menschen ] ⇒

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Vorwort

Zusammenfassung

1. Grundlagen der Auseinandersetzung mit Ziviler Konfliktbearbeitung
1.1. Begrifflichkeiten und Instrumente
1.2. Akteure und Aufgabenfelder
1.3. Was ist gute Praxis? Allgemeine Lehren in der Zivilen Krisenprävention und Konfliktbearbeitung
1.4. Methodik und Gliederung der Studie

2. Übersicht über die Ziele und Instrumente Ziviler Krisenprävention und Konfliktbearbeitung
2.1. Einem gewaltsamen Konflikt vorbeugen: Prävention
2.2. Eine politische Regelung eines gewaltsamen Konfliktes suchen:  Peacemaking
2.3. Menschen schützen vor Gewalt und Verletzung ihrer Menschenrechte: Peacekeeping und menschliche Sicherheit
2.4. Die Ursachen und Folgen von Gewalt bearbeiten: Peacebuilding
2.4.1. Menschen zum Überleben helfen: Humanitäre Hilfe
2.4.2. Die Zahl von Waffen und Kämpfern einschränken: Abrüstung, DDR und Minenräumung
2.4.3. Die Schäden beseitigen und Menschen die Rückkehr ermöglichen: Wiederaufbau und Flüchtlingsrückkehr
2.4.4. Soziales Verhalten und soziale Beziehungen fördern, Menschen stark machen und ihnen helfen, Wunden des Krieges zu überwinden: Soziale und psychosoziale Arbeit
2.4.5. Ökonomische Entwicklung fördern
2.4.6. Gerechtigkeit schaffen: Übergangsjustiz und Vergangenheitsarbeit
2.4.7. Einen funktionierenden Staat schaffen: Staatsbildung und Demokratisierung
2.4.8. Zivilgesellschaft fördern
2.4.9. Friedensfähigkeit und Versöhnung direkt fördern: Friedensarbeit
2.4.10. Normalisierung von Beziehungen und Kooperation in weiteren gesellschaftlichen Bereichen fördern: Kooperationen im Kultur-, Sport- und Wissenschaftsbereich

3. Was Zivile Krisenprävention und Konfliktbearbeitung leisten können

Samstag, 24. November 2012

Eine europäische Integrationsgeschichte in fünf Teilen: Nâzým Hikmet

Als am 13. Juni 1878 Reichskanzler Otto von Bismarck den Berliner Kongress eröffnete, war auch der gebürtige Deutsche Karl Detroit - nun als Mehmet Ali Pascha -,  der  Vertreter des Osmanischen Reiches dabei. An ihm zeigt sich eine gesamteuropäische Migrationsgeschichte. Sein Nachkomme: Der türkische Schriftsteller Nâzým Hikmet.

Berliner Kongress - Vorbereitung des I. Weltkrieges. Der Berliner Kongress war so etwas wie ein G8-Gipfel, Deutschland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland und das Osmanische Reich. Es wurde von den restaurativen Kräften über die Menschen hinweg, die schon 1849 niedergeknüppelt wurden, die Neuverteilung der Macht im Südosten Europas, insbesondere auf dem Balkan geregelt. Man gewährte nicht den vom angeblichen "türkischen Joch befreiten Völkern" die Freiheit, sondern unterstellte sie ungefragt dem eigenen Macht- und Kapitalinteresse oder den jeweiligen monarchischen Interessen. In gewissem Maße wirkt der den Berliner Kongreß beendende "Berliner Frieden" bis in die heutigen Tage im Südosten Europas sehr unfriedlich nach. Formales Ergebnis der Konferenz der fünf europäischen Großmächte mit der Türkei war der in der Sitzung vom 13. Juli geschlossene "Berliner Frieden", mit dem die Auseinandersetzungen nach dem russisch-türkischen Krieg von 1877/78 "beigelegt" wurden. Der I. Weltkrieg war eine  - vorläufig nur aufgeschobene -  Folge.

Vorausgegangen war dem Kongress erst ein serbisch-türkischer Konflikt, der 1876 mit einer vernichtenden Niederlage der aufständischen Serben gegen den vermeintlich "kranken Mann vom Bosporus" endete. Den Serben und Montenegrinern war es nicht gelungen, die türkische Vorherrschaft abzuschütteln. Russland fürchtet um sein Prestige als orthodoxe Schutzmacht Serbiens und um seine panslawistischen Ziele und greift daher im April 1877 die Türkei an. Der Krieg endet Anfang 1878 mit einem Sieg Russlands und dem Diktatfrieden von San Stefano.

Dagegen hatten aber England und Österreich umgehend protestiert. Allerdings nicht gegen das "Diktat" Russlands, nur weil sie auch an dem  "Kuchen" der da verteilt wurde, teilhaben wollten. Russland liquidiert in dem Frieden von San Stefano den europäischen Brückenkopf der Osmanen und schiebt ein von Russland abhängiges Groß-Bulgarien als Satellitenstaat vom Schwarzen Meer bis zur Ägäis quer über den Balkan. Das europäische Gleichgewicht gerät damit aus den Fugen, entscheidender aber: Die Friedensbedingungen sind ein Schlag ins Gesicht der britischen Interessen, die seit dem Krimkrieg als Protektor der (islamischen) Osmanen gegen das (christliche) Russland aufgetreten sind. Zudem will die britische Seemacht unter allen Umständen den Zugang Russlands durch die Dardanellen zum Mittelmeerraum verhindern, zum eigenen maritimen Einflussgebiet also. Der russische Anspruch über den gesamten Balkan ist zudem eine Herausforderung an Österreich, das Bosnien kolonialisieren, imperial einverleiben will.

Der britische Regierung schickte umgehend 5000 Gurkhas, indische Elitetruppen, nach Malta. Fregatten liefen ins Marmarameer ein. Russland musste um des Friedens willen akzeptieren, dass der Preis des Friedens von San Stefano ein Krieg mit England wäre und Österreich freut sich nicht über die "Befreiung der Balkanvölker" von den Osmanen sondern nimmt schon Kriegskredite auf um die vom "osmanischen Joch Befreiten" unter ihre Knute zu bringen und versetzt die Grenzgarnisonen sofort in Alarmbereitschaft.

Das christliche russische Zarenhaus verzichtete deshalb im "Berliner Frieden" auf ein Protektorat Groß-Bulgarien, das nun unter dem Druck der christlichen Mächte England und Österreich-Ungarn in ein Fürstentum unter türkischer Oberhoheit und in eine türkische Provinz Ostrumelien geteilt wurde. Russland erhielt von Rumänien als Ausgleich Teile Bessarabiens. Makedonien wurde wieder dem Osmanischen Reich zugesprochen. Rumänien, das seinerseits den größten Teil der Dobrudscha gewann, wurde mit Serbien und Montenegro für unabhängig erklärt. Österreich-Ungarn ließ sich das Mandat zur Besetzung von Bosnien und der Herzegowina geben. Großbritannien nahm sich Zypern.

Migrationsgeschichte I.Teil.  Uns interessiert beim Berliner Kongress ein türkischer Vertreter namens Mehmed Ali Pascha besonders. Denn er stammte ursprünglich aus Deutschland und hieß dort "Karl Detroit". Er war hugenottischer Abstammung. Das bedeutet, dass seine Vorfahren aus Frankreich stammten und sein urspünglicher Familienname "Detroit" verrät das ja auch noch. Der Ursprung des Wortes "Hugenotten" ist vermutlich eine Anspielung auf das französische Wort aignos (Eidgenossen) und ist seit etwa 1560 die gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten. 1685 flüchteten 44.000 bis 50.000 Hugenotten nach Deutschland.

Ausgerechnet in dem wirtschaftlich und kulturell fortschrittlichen europäischen Land Frankreich fand der erste Pogrom der Neuzeit, die Pariser Bluthochzeit der Bartholomäusnacht statt. Im Morgengrauen des 24. August 1572 läutete die Sturmglocke der Pariser Kirche Saint-Germain l'Auxerrois das Morden ein. Es starben ca. 2.000 Hugenotten in den Häusern und Straßen der Hauptstadt, in den anschließenden Wochen rund 10.000 Hugenotten in anderen Städten Frankreichs. Soldaten des Herzogs Heinrich I. von Guise (1550-1588, genannt le balafré, der Narbige), Pariser Hilfstruppen und das unzufriedene Hauptstadtproletariat waren die Ausführenden. Im Hintergrund hatten außenpolitische Gründe zu dem Morden geführt.

Papst Gregor XIII. (1502-1585) veranstaltete zu Ehren dieser "Ketzervertilgung" Dankfeste und ließ in Rom sogar eine Siegesmedaille mit der Aufschrift prägen: Niedermetzelung der Hugenotten (Ugonottorum Strages 1572) und gab bei dem bedeutenden italienischen Renaissancemaler Giorgio Vasari (1511-1574) ein Historienbild in Auftrag, das noch heute als dreiteiliges Fresko in der Sala Regia des Vatikans in Rom zu sehen ist. Diese Bilder des Schreckens feiern den Triumph der vorgeblich gerechten Sache. Dem Morden in Paris folgten Massaker in vielen Städten des Landes, u. a. in Orléans, Meaux, Bourges, Albi, Rouen im September; in Toulouse, Gaillac und Bordeaux im Oktober. Deshalb hat der französische Historiker Jules Michelet mit Recht festgestellt: Die Bartholomäusnacht war nicht nur ein Tag, es war eine Saison.

Das Edikt von Fontainebleau das Ludwig XIV. am 18. Oktober 1685 im Königsschloss Fontainebleau südlich von Paris proklamierte u.a. das Verbot für Hugenotten Frankreich zu verlassen.  Doch der Artikel des Edikts von Fontainebleau, das den französischen Protestanten so nachdrücklich die Auswanderung verbot, konnte ca. 170.000  Hugenotten (fast ein Prozent der französischen Bevölkerung damals) nicht daran hindern, ihre geliebte Heimat zu verlassen und in die umliegenden Länder zu fliehen.

Am 29. Oktober 1685 erließ Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg (1620-1688) das Edikt von Potsdam. Mit diesem Edikt lud er die aus Frankreich flüchtenden Hugenotten in seine Territorien ein. Hintergrund für sein Handeln waren die großen ökonomischen Probleme in Brandenburg-Preußen, die nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) keineswegs überwunden waren. Dementsprechend zielte das Edikt von Potsdam nicht nur auf Bevölkerungszuwachs im Allgemeinen, sondern auf wirtschaftliche Innovationen wie bisher unbekannte Handwerkszweige oder Produktionsformen, welche die Neuankömmlinge ins Land bringen sollten. Damit steht Deutschland nach Großbritannien und den Niederlanden an dritter Stelle der Aufnahmeländer. Als loyale Untertanen stiegen Hugenotten in der Folge in der Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft sowie als Offiziere in bedeutende Positionen auf. In Berlin war um 1700 jeder dritte Einwohner ein Hugenotte!

Migrationsgeschichte II.Teil.   Mehmed Ali Pascha, vormals Karl Detroit, war der Sohn des preußischen Hofmusikers Carl Friedrich Detroit und dessen wohl auch hugenottischen Ehefrau Henriette Jeanette Severin. Nach dem Besuch der Grundschule wechselte Ludwig Karl Friedrich Detroit auf das Domgymnasium Magdeburg. Mit 16 Jahren verließ Karl Detroit 1843 seine Heimat und heuerte auf einer mecklenburgischen Brigg als Schiffsjunge an. Im Hafen von Konstantinopel desertierte er mit einem Sprung ins Wasser vom Schiff. Zufällig wurde er durch Ali Effendi, den späteren Großwesir, gerettet, der auch bis zu seinem Tod 1871 sein Gönner blieb. Karl Detroit konvertierte zum Islam; ein Umstand, der beinahe zu einem Politikum geriet, da die preußische Gesandtschaft für den Deutschen Bund offiziell bei der osmanischen Regierung deswegen protestierte! 1846 wurde er an einer Kadettenschule angenommen und stieg die Karriereleiter bis zum Oberkommandierenden der osmanischen Truppen Bulgariens auf.



Bildbeschreibung: Anton von Werner stellt auf dem Gemälde die abschließende Sitzung des Berliner Kongresses am 13. Juli 1878 in der Reichskanzlei dar. Die Komposition ist Ausdruck der damaligen Mächtekonstellation: Im Zentrum halbrechts der deutsche Kanzler Otto von Bismarck. Er ist im Handschlag mit dem russischen Botschafter in London, Peter Graf Schuwalow, begriffen. Links neben Bismarck schaut Österreichs Außenminister Gyula Andrássy zu. Links außen sitzt Rußlands Staatskanzler Alexander Fürst Gortschakow. Seine Hand ruht auf dem Arm des britischen Premiers Benjamin Disraeli (Earl of Beaconsfield).  Ganz rechts im Hintergrund steht zwischen den türkischen Delegierten Englands Außenminister Lord Salisbury. Und ganz rechts Mehmet Ali Pascha.


Die "Hohe Pforte" wählte Mehmed Ali Pascha wegen eben dieser Herkunft aus und wollte damit Verständigung mit Deutschland signalisieren, was aber in Berlin nicht gewürdigt und auch mit Hochmut gründlich missverstanden wurde. Otto von Bismarck sprach von einer "Taktlosigkeit", und der gesamte deutsche Generalstab lehnte die Anwesenheit Mehmed Alis ab. Für das "christliche Abendland" war der zum Islam übergetretene "Deutsche" wohl sowas wie ein Verräter. Aber was war diese "Taktlosigkeit" im Vergleich zu den Folgen von Bismarcks Berliner Konferenz.

Immerhin war das Ergebnis einer der Auslöser für den ersten Weltkrieg. Österreich-Ungarn wurde das Recht zugesprochen, Bosnien und die Herzegowina zu verwalten, was man allerdings als das "Recht"  verstand  Bosnien und die Herzegowina 1878 einfach zu okkupieren und 1908 förmlich zu annektieren. Damit war Krieg vorprogrammiert und der 1914 in Sarajewo einem Anschlag zum Opfer gefallene österreichische Thronfolger war keineswegs der Repräsentant einer friedlichen und freiwilligen Völkergemeinschaft, die sein Onkel Franz-Josef dann tatsächlich in den grausam mörderischen Weltkrieg treiben wird. Das Wort vom "Völkerkerker" war also bei weitem nicht nur eine Prägung des Nationalismus, sondern hatte durchaus seine Berechtigung, wiewohl man heute Österreichs Geschichte, die ach so gute "Donaumonarchie" gerne als vorgemeinschaftliche europäische Völkergemeinschaft schönschreibt.



Nâzým Hikmet liest sein Gedicht "Kerem Gibi"

Migrationsgeschichte III.Teil.  Nâzým Hikmet gilt als der bekannteste türkische Lyriker innerhalb und außerhalb der Türkei. Seine Herkunft zeigt ein gänzlich anderes Bild vom Osmanischen Reich als wir es gewohnt sind.

Mehmet Ali Pascha oder "Karl Detrois" hatte mit seiner Ehefrau vier Töchter: Hayriye Hanim, Leyla Hanim, Adviye Hanim ve Zekiye Hanim. Zu den Nachkommen dieser Töchter gehört eben Nâzým. Er ist also Nâzým Hikmets Urgroßvater mütterlicherseits.

Nâzýms Großvater mütterlicherseits wiederum, ist Mustafa Celaleddin Pascha und stammt aus dem christlichen Polen: Konstantin Borjenski, ein Adliger, der auf der Seite der Ungarns 1848/49 für die Freiheit Ungarns kämpfte. Die Polnischen Legionen in Ungarn wurden von General Józef Wysocki und General Józef Bem aus polnischen Freiwilligen formiert, die nach Ungarn kamen, um „Für unsere und Eure Freiheit“ an der ungarischen Seite während der Ungarischen Revolution 1848/1849 gegen die Österreicher zu kämpfen. Die polnischen Legionäre kämpften so tapfer, dass ihre roten Mützen als Tapferkeitsauszeichnung der ungarischen Truppen eingeführt wurden. Nach der Niederlage von Temesvár und der ungarischen Kapitulation am 13. August 1849 flohen die Reste der Legionen in die Türkei. Zusammen mit Bem konvertierten 72 Offiziere und Generale sowie 6.000 ungarische und polnische Soldaten.

Nach der Niederlage im Aufstand der Polen gegen die autoritären und demokratieunwilligen Monarchen Österreichs und Rußlands (1848) floh er erst nach Paris, von dort nach Istanbul, konvertierte ebenfalls zum Islam und stieg bis zum Pascha auf. Bekannt wurde er aber nicht allein als Soldat, sondern auch als Urheber der Türkologie. In seinem Buch "Les Turcs Anciens et Modernes" versuchte er, bei den Türken, die er als eigentliche Teilgründer der Zivilisation sah, ihr Nationalbewußtsein zu erwecken, ja wurde ein Wegbereiter des türkischen Nationalismus. Mustafa Celaleddin Pascha ist 1876 im Krieg gefallen.

Migrationsgeschichte IV.Teil.  Mustafa Celaleddin Pascha heiratete eine Tochter des Generals der osmanischen Armee im Krimkrieg, Omer Pascha (1806–1871), der, als Serbe unter dem Namen Michail Latas, davor in der habsburgischen Armee gedient hatte. Omar Pascha wurde in Plaski, im zu Österreich gehörenden ungarischen Militärgrenzland (Kroatien), wo sein Vater Verwaltungsbeamter des Oguliner Bezirks war, geboren. Er trat als Kadett in das Oguliner Grenzregiment der österreichischen Armee ein, desertierte 1828, weil sein Vater entlassen wurde, trat in Bosnien in die Dienste des türkischen Statthalters Hussein Pascha und wurde Erzieher von dessen Kindern. 1868 war er vorübergehend als Kriegsminister tätig und starb am 18. April 1871.

Migrationsgeschichte V.Teil.   Der am 20.Jänner 1902 in Saloniki (Griechenland, damals zum Osmanischen Reich gehörend) geborene Sohn eines Paschas war zunächst Anhänger des türkischen Nationalismus, wandte sich aber rasch davon ab, als er die blutigen Auswirkungen erkannte und wurde zur Symbolfigur der demokratischen Bewegungen. Er war gezwungen, einen Großteil seines Lebens im Gefängnis und im Exil zu verbringen. Bis 1965 sind seine Werke in der Türkei verboten und werden ausschließlich im Ausland gedruckt und unter der Hand verbreitet. Erst in den letzten Jahren gelang in der Türkei eine Annäherung an den Jahrzehnte als Staatsfeind geschmähten Autor, der nie in die aktive Politik eingegriffen und sich selbst immer "nur" als Dichter angesehen hatte.

Seine Eltern sind gebildet, die Familie zählt zur führenden Schicht der osmanischen Gesellschaft. Seine Vater, Hikmet Nâzim Bey, Sohn von Mehmet Nâzim Pascha, ist hoher Beamter im Außenministerium in Saloniki. Seine Mutter Djelile ist künstlerisch sehr begabt und aktiv, sie malt, spielt Klavier, spricht französisch und fühlt sich stark der französischen Kultur verhaftet.

Seine Mittelschul-Ausbildung absolvierte er auf der Militärschule in Heybeliada (1918). Schon zu diesem Schulbesuch gab es ein lyrisches Produkt als Beweggrund. Im Alter von 12 Jahren verfasste er ein Gedicht mit dem Titel "Aus dem Munde eines Militärschulabsolventen", das den Rektor dieser Schule veranlasste, Nâzým Hikmet zu dieser Schule zu motivieren. Nach Abschluss der Militärschule versah er auf dem Kreuzer "Hamidiye" als Deckoffizier seinen Militärdienst. 1920 kommt die Türkei unter alliierte Kontrolle und Istanbul ist besetzt. Nâzim Hikmet schreibt patriotische Widerstands-Gedichte und verlässt mit seinem Freund Vâlâ Nureddin Istanbul, um sich dem nationalen Befreiungskrieg unter Mustafa Kemal Atatürk anzuschließen. Mit dem Gedicht "Eine Minute" gewann er 1920 den von der Zeitung "Alemdar" ausgeschriebenen Dichterwettbewerb. Doch bald erkennt er, dass sich in dieser Türkei nichts zum Guten verändert und er ist mit Freunden fasziniert von dem, was sich in der blutjungen revolutionären Sowjetunion zu bewegen scheint. Von 1921 bis 1924 studiert er in Moskau.

Seine Biografie hat nun jenen Punkt erreicht, an dem die Daten entweder neue Werke oder neue Verfolgung markieren. 1925 zurückgekehrt in die Türkei, schreibt er für verschiedene Zeitungen und veröffentlicht Gedichte. Hikmet wurde nun durch die Verwendung von Umgangssprache und dem Einsatz von reimlosen Zeilen im Blankvers zum radikalen Erneuerer der seit Jahrhunderten metrischer Reimdichtung verpflichteten türkischen Dichtkunst. Während einer erneuten Reise nach Moskau erfährt er, dass er wegen eines Gedichtes in Abwesenheit zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Er kehrt deshalb erst nach einer 1928 erlassenen Amnestie in die Türkei zurück, wird dort aber sogleich zu sieben Monate Haft verurteilt.

1929 erscheint der Gedichtband "835 Zeilen". Nâzým Hikmet bricht darin völlig mit der Tradition der osmanischen Poesie. Reimlos, frei im Rhythmus, mit volkstümlich - realistischem Vokabular und mit eigenen Wortschöpfungen. Seine Themen entnimmt er dem Alltag, der bisher in Gedichten in der Türkei keinen Platz hatte. 1930 bringt Columbia Records eine Platte mit Gedichten des kämpferischen Poeten heraus. Alle Menschen hören die Stimme Nâzým Hikmets. Die Platte wird in Caféhäusern, Restaurants und anderen öffentlichen Orten gespielt. Nach zwanzig Tagen ist sie ausverkauft.

Doch: Der Dichter wird beobachtet, verhaftet, verhört, kommt wieder frei. Columbia Records gibt unter staatlichem Druck den Plan auf, die Platte erneut zu produzieren. 1934-35 ist er erneut in Haft. Zwischen 1929 und 1936 veröffentlichte er neun Bücher – fünf Gedichtsammlungen und vier lange Gedichte – mit denen er die türkische Dichtkunst revolutionierte, sich über ottomanische Konventionen lustig machte und das freie Versmaß und die Alltagssprache einführte. Dazu schrieb er auch noch mehrere Theaterstücke und Romane und arbeitete als Buchbinder, Korrekturleser, Journalist, Übersetzer und Drehbuchschreiber, um seine zweite Frau, ihre beiden Kinder und seine verwitwete Mutter zu ernähren.

1937 veröffentlicht er "Epos über Bedrettin, Sohn des Richters von Simavne" eine zwischen Lyrik und Epos stehende Gattung. Bei Militärschülern werden bei einer Razzia Bücher von Nâzým Hikmet gefunden - das sah man als Meuterei an. Hikmet wird 1938 deshalb zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. In der Haft arbeitet Hikmet an seinem Hauptwerk "Ansichten der Menschen in meinem Heimatland".

Aufgrund von Pressekampagnen, unter dem Druck von Intellektuellen aus der ganzen Welt wie Picasso, Aragon, Sartre, Neruda, Brecht u.a., nach Solidaritätsaktionen in aller Welt und nach Einsatz des letzten verzweifelten Mittels, das ihm selbst im Kerker geblieben war-  dem Hungerstreik -, wurde er 1950 amnestiert. Kurz danach wird er mit 49 Jahren und durch die Haft gesundheitlich geschädigt zum Militär einberufen - obwohl er seinen Militärdienst bereits in der Jugend absolviert hatte und erhält gleichzeitig mit der Einberufung Morddrohungen. Hikmet flieht mit einem Ruderboot übers Schwarze Meer und wird von einem rumänischen Frachter aufgenommen. Am 3. Juni 1963 stirbt Nâzim Hikmet im Moskauer Exil.
      
Von 1950 bis 1963 lebte Hikmet vorwiegend in Moskau. Die Türkei bürgert ihn 1951 aus, eine Rückkehr ist von nun an unmöglich. Er lebt in der Sowjetunion und in anderen sozialistischen Ländern, in den Städten Sofia, Warschau und natürlich in Moskau. Der berühmte Dichter im Exil erhält die polnische Staatsbürgerschaft, da er durch seinen Großvater auf polnische Vorfahren zurückblicken kann. In seinem Paß steht nun: Nâzim Hikmet Borzenski. Vom Exil aus setzt er seinen politischen Kampf fort. Es ist die Zeit des Kalten Krieges, in Korea wird gekämpft. Bei einer Veranstaltung gegen den Korea-Krieg 1952 in Berlin greift Nazim Hikmet die türkische Regierung wegen der Entsendung türkischer Soldaten nach Korea an und verurteilt den amerikanischen Imperialismus. Er wird in den Weltfriedensrat gewählt, spricht auf internationalen Friedenskongressen und tritt in seinen Gedichte mit mahnenden und eindringlichen Worten für den Frieden und gegen Atomwaffen ein. Seine Verse werden vertont und von Paul Robeson und Pete Seeger gesungen. Als sehr aktives Mitglied des Weltfriedensrates bereist er in diesen Jahren viele Länder aller Erdteile. Die USA allerdings verweigern ihm die Einreise. Viele Reisegedichte entstehen, er beschreibt, was er sieht und erlebt, immer wieder aber vermischt mit großem Heimweh nach "seiner Türkei."
      
Seine mutige und offene Kritik an Stalin vor dem sowjetischen Schriftstellerkongress erregte Aufsehen und Bewunderung, sein satirisch-kritisches Theaterstück gegen den stalinistischen Personenkult "Hat es Iwan Iwanowitsch gegeben oder nicht?" kommt im Jahr 1956 in Moskau zur Aufführung und wird sofort wieder vom Spielplan abgesetzt. Der KGB behielt Nâzim Hikmet bis zuletzt im Auge.

Nâzým Hikmet schrieb Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke, Romane, Märchen und Kritiken. Da er die Meinung vertrat, dass die neue Epoche eine neue Erzählform brauche, wandte er stets von der bis dahin in der türkischen Dichtung gültigen Diwan-Lyrik (= höfische Lyrik) ab. Er proklamierte die freie realistische Zeile anstelle des metrischen Verses und des höfischen Aruz, deren Ursprünge in der persischen und arabischen Dichtung des Mittelalters lagen. Die Themen seiner Werke umfassen alle Ebenen des menschlichen Lebens, sowohl private als auch gesellschaftliche.
22.1.12 [Letzte Aktualisierung  30.11.12] Das Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.
8.1.11/22.1,12/

Samstag, 29. September 2012

{News-Scanner} Gas gegen Europa

Russland erwägt Energieminister Alexander Nowak zufolge einen Gasrabatt für Moldawien im Tausch gegen Zugeständnisse. 

Bedingung dafür sei, dass das Land den Vertrag mit der Europäischen Energiegemeinschaft kündigt. „Das ist eine Voraussetzung für einen Preisnachlass beim Gas und die Regelung der moldawischen Gasschulden bei Russland in Höhe von 4,1 Milliarden US-Dollar“, sagte Nowak kurz vor dem Treffen zwischen Präsident Wladimir Putin und dem moldawischen Regierungschef Vlad Filat in Sotschi. Das berichtet RIA Novost Online.

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RIA NOVOSTI: Russland drängt Moldawien mit Gasrabatt zu Abkehr von EU
30.9.12  [Letzte Aktualisierung  30.9.12] Das Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.

Mittwoch, 22. August 2012

Netzwerk "EU-China Civil Society Forum"

Die Website "EU-China Civil Society Forum"  der Werkstatt Ökonomie e.V. bietet Hintergrundinformationen, Analysen, Positionspapiere und andere Materialien zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der EU, China und dem übrigen Asien.

Das Netzwerk „EU – China: Civil Society Forum“ setzt sich dafür ein, dass ... 
  • soziale, ökologische und menschenrechtliche Entwicklungsziele die Grundlage der Beziehungen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsländer zu China bilden.
  • die chinesischen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie die Lieferanten von Unternehmen mit Sitz innerhalb der EU grundlegende Arbeitsnormen und ökologische Standards einhalten.
  • die europäisch-chinesischen Beziehungen von der Öffentlichkeit realistisch bewertet werden, qualifizierte Chinabilder die öffentliche Meinung in der EU bestimmen und Zerr- und Feindbilder ebenso zurückgedrängt sind wie Euphemismen.
Das Netzwerk „EU – China: Civil Society Forum“ ... 
  • arbeitet eng mit zivilgesellschaftlichen Organisationen in China und in weiteren asiatischen Ländern zusammen.
  • wird initiiert vom Projekt „EU – China: zivilgesellschaftliche Partnerschaft für soziale und ökologische Gerechtigkeit“, das von der Europäischen Union unterstützt wird. Fördermittel erhielt das Projekt in den Jahren 2007 bis 2010 auch von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und von der InWEnt gGmbH aus Mitteln des BMZ.
Das Netzwerk „EU – China: Civil Society Forum“ wird von folgenden Organisationen getragen:
  • Asienstiftung (D, Koordination)
  • Développement et Civilisations – Lebret-Irfed (F)
  • Forum Umwelt und Entwicklung (D)
  • IG Metall (D)
  • Informationsstelle Lateinamerika (D)
  • INKOTA - netzwerk e.V. (D)
  • Südasien-Informationsnetz (D)
  • Südostasien Informationsstelle (D)
  • Südwind-Agentur (A)
  • Transnational Institute – TNI (NL)
  • Vlaamse Noord-Zuid-Beweging (11.11.11) (B)
  • Weltumspannend Arbeiten - ÖGB (A) und
  • Werkstatt Ökonomie e.V. (D, Koordination)
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EU-China Civil Society Forum
21. 8.12   [Letzte Aktualisierung  21. 8.12] Das Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.

Freitag, 20. Juli 2012

Child Development Index 2012: ~60 Millionen Kinder mangelernährt!

Die Zahl von mangelernährten Mädchen und Jungen ist seit 2000 um 1.5 Millionen auf insgesamt 58.7 Millionen weltweit gestiegen und hat damit in dieser Dekade einen neuen Höchstwert erreicht.

Die internationale Kinderrechtsorganisation "Save the Children" veröffentlichte zum dritten Mal den Child Development Index 2012. Die neue Studie von Save the Children zur weltweiten Entwicklung von Kindern zeigt erschreckende Zahlen. Der Index vergleicht die Entwicklung von Kindern in 141 Ländern. Anhand von Kriterien zu Gesundheit, Bildung und Ernährung zeigt er, wo auf der Welt es Kindern am besten und wo es ihnen am schlechtesten geht.

Österreich. Japan führt die Rangliste an, Somalia steht an letzter Stelle. Deutschland findet sich auf Platz 3 wieder. Es hat sich gegenüber dem ersten Bericht um 19 Plätze verbessert. Österreich liegt zum zweiten Mal auf Platz 15. Im ersten Bericht lag es noch auf Platz 13 und damit vor der Schweiz und Deutschland. Die Schweiz hat sich hingegen im Ranking auf Platz 7 verbessert und damit gegenüber dem ersten Bericht gleich 8 Plätze aufgeholt.

Hungersnot in Afrika. Die letzten 10 Plätze belegen ausschließlich afrikanische Länder. Das besetzte palästinensische Gebiet (Gaza/West Bank) hat sich um über 50 Plätze verschlechtert, Tansania hat sich im Ländervergleich um 30 Plätze verbessert.

Prinzip Hoffnung. Der Child Development Index zeigt neben der besorgniserregenden Verschlechterung im Ernährungsbereich erfreuliche Veränderungen bei Bildung und Gesundheit. Seit der ersten Datenerhebung Mitte der 90er Jahre (1995-1999) haben sich in 90% der Länder die Lebensumstände von Kindern verbessert: Pro Tag sterben 9000 Mädchen und Jungen unter 5 Jahren weniger und 50 Millionen mehr Kinder erhalten eine Grundschulbildung.

Save the Children. Save the Children ist nach eigenen Angaben die weltweit größte unabhängige Kinderrechtsorganisation. 29 Mitgliedsorganisationen bilden die Nichtegierungsorganisation "Save the Children International", deren Sekretariat in London sitzt, von wo aus die Arbeit der nationalen Organisationen koordiniert wird. In 120 Ländern führt Save the Children Projekte durch, die Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld zugute kommen. Der Schwerpunkte der Arbeit liegen in den Bereichen Schule und Bildung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie Gesundheit und Überleben. Außerdem hilft die Organisation Kindern und ihren Familien in Katastrophensituationen. Save the Children hat Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) der Vereinten Nationen.

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Child Development Index 2012 (PDF 1.69 MB)
Save the Children International
Save the Children Deutschland
Save the Children Schweiz

Freitag, 13. Juli 2012

Schengen: Selbstbewusstes EU-Parlament zeigt dem Europäischen Rat die Rote Karte

Wikimedia Commons: Denkmal für das Schengener Abkommen in Schengen, Luxemburg
Nach einer intensiven Debatte hat das Präsidium des Europäischen Parlaments (Fraktionsvorsitzende und Parlamentspräsident) selbstbewusst entschieden, die Zusammenarbeit des Parlaments mit dem Rat der Europäischen Union bei fünf Gesetzesinitiativen auszusetzen bis eine Einigung über die Reform des Schengen-Paktes erzielt wurde. 

Seit dem 7. Juni 2012 wollen nämlich die europäischen Innenminister Entscheidungen, die den Schengenraum betreffen, ohne das Europäische Parlament und die Kommission treffen. Der Schengenraum ohne Kontrollen (Schengener Übereinkommen 14. Juni 1985) ist die unmittelbar spürbarste Einigung Europas für seine Bürger.

Rat. Der Rat der Europäischen Union (oft auch EU-Ministerrat) ist ein Organ der Europäischen Union. Im politischen System der EU übt er zusammen mit dem Parlament die Rechtsetzung der Europäischen Union aus. Da er die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten repräsentiert, kann er neben dem Europäischen Parlament als Bürgerkammer als die Staatenkammer ("Bundesra") der EU bezeichnet werden.

Boykott. Die Entscheidung des Präsidiums betrifft fünf Themenbereiche:

  • des Schengener Grenzkodex und des Schengener Durchführungsübereinkommen (Berichterstatter Georgios Papanikolaou)
  • Zusammenarbeit der Justizbehörden in Strafsachen: Vorgehen gegen Angriffe auf Informationssysteme (Berichterstatterin Monika Hohlmeier)
  • Europäische Ermittlungsanordnung (Berichterstatter Nuno Melo)
  • Aspekte des Haushalts 2013 mit Bezug auf innere Sicherheit
  • EU Passagiernamensregister (Berichterstatter Timothy Kirkhope)

Das Präsidium beschloss auch, die Tagesordnung der Sitzungswoche im Juli zu ändern und den Bericht des Abgeordneten Carlos Coelho zur Schengen-Evaluierung und Überwachung sowie den Bericht von Renate Weber zur Wiedereinführung von Grenzkontrollen erst später zu behandeln.

Ablenkung  von der Krise oder Missbrauch der Krise. Parlamentspräsident Martin Schulz erklärte: "Noch nie wurde während eines Gesetzgebungsprozess eine der beiden Legislativkammern von der anderen ausgeschlossen. Der vom Rat für Justiz und Inneres am 7. Juni gewählte Weg ist ein Schlag ins Gesicht für die parlamentarische Demokratie und für die gewählten Vertreter der europäischen Bürger inakzeptabel. Deshalb sieht sich das Präsidium gezwungen, solche drastischen Maßnahmen zu ergreifen."

Das Parlament gab auch im Plenum Rat und Kommission einen Rüffel. Der Franzose Joseph Daul, Vorsitzender der  Christdemokraten, nannte die Entscheidung "völlig inakzeptabel". Der Vorsitzende der Sozialdemokraten Hannes Swoboda warnte den Ministerrat davor, dem Rechtspopulismus Tür und Tor zu öffnen. Das Parlament werde "alle politischen und rechtlichen Mittel ergreifen", um dies zu verhindern. Unterstützung erhielt er in diesem Punkt auch vom Fraktionsvorsitzenden der Liberaldemokraten Guy Verhofstadt aus Belgien. Die deutsche Grünenvorsitzende Rebecca Harms warf den EU-Regierungen vor, Schengen lediglich dafür zu missbrauchen, die Aufmerksamkeit der EU-Bürger von der Krise abzulenken. Für die Fraktion der Linken (GUE/NGL) sprach die Deutsche Cornelia Ernst von einem verachtenswerten, antidemokratischen and antieuropäischen Schritt.

Die zuständige EU-Kommissarin Cecilia Malström drückte "klare Enttäuschung" über die Entscheidung der Innenminister aus und bemerkte: "Ich bin überzeugt, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist".

Rechtspopulismus. Der britische Abgeordnete der EKR-Fraktion Anthea McIntyre zeigte sich zwar überrascht von der Entscheidung des Ministerrates, bezeichnete die Proteste seiner Kollegen aber als "kindischen Wutanfall". Fragen der nationalen Sicherheit seien weiterhin "alleinige Kompetenz der Mitgliedsstaaten". Auch der fraktionslose Abgeordnete Auke Zijlstra aus den Niederlanden erklärte, der Plan der Innenminister sei angemessen.

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EP decides to suspend cooperation with Council on five JHA dossiers until Schengen question is resolved
{News-Scanner} Großdeutsche Allüren: Die Innenminister Friedrich (D) und Mikl-Leitner (A) pfeifen auf das europäische Parlament
[Letzte Aktualisierung 13.7.12]

Dienstag, 10. Juli 2012

Digital Diplomacy – Der Wandel der Außenpolitik im digitalen Zeitalter


Wenn Außenpolitik auf  Neue Medien trifft.

Der große Bedeutungszuwachs der sozialen Medien auch als politischem Kommunikationsmittel, wie es die Arabellion sichtbar machte, erfordert ein Umdenken in der Kommunikation mit Staaten und Gesellschaften. Anja Türkan eruiert in ihrem Artikel, wie die Akteure der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik die sozialen Medien für die Kommunikation mit ihren Zielgruppen verstärkt nutzen könnten und sollten.


„Kommunikationsflüsse in der Diplomatie 
laufen nicht mehr nur in eine Richtung und 
spielen sich nicht mehr ausschließlich auf 
staatlicher Ebene ab.“


Anja Türkan. Anja Türkan war von Juli bis Dezember 2011 Stipendiatin im Forschungsprogramm „Kultur und Außenpolitik“.  Sie studierte Medienkultur an der Universität Bremen, Media and Communications und Literary, Cultural and Media Studies in Sydney und Sieg.

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Anja Türkan: Digital Diplomacy – Der Wandel der Außenpolitik im digitalen Zeitalter. – Stuttgart: ifa, 2012. – 16 S. – (ifa-Edition Kultur und Außenpolitik) – Download (PDF)
[Letzte Aktualisierung 10.7.12]

Sonntag, 4. März 2012

Jugend am Mittelmeer: Arbeitslose Akademiker, schlecht bezahlte Jobs, viele NEETs

Leben am Mittelmeer, in mediterranem Klima, mit mediterraner Küche, ... In diesem Ambientezu leben ist der Wunschtraum von Genrationen von jungen Menschen Europas. Wie sieht aber das mediterrane Europa wirklich aus, wie sieht es um das Mittelmeer wirklich aus?

Die European Training Foundation (ETF) hat einen Bericht über die Beschäftigungssituation in 14 Partnerländern der Mittelmeerunion vorgelegt, den so genannten Union for the Mediterranean Regional Employability Review 2011, und dabei einen Schwerpunkt auf das Thema Jugendbeschäftigung gelegt. Die Analyse umfasst Albanien, Bosnien & Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Israel, Marokko, Ägypten, Algerien, Tunesien, Syrien, Türkei, Jordanien, Libanon und das Westjordanland.

Der Bericht gibt einen Überblick über die Bildungs- und Ausbildungssysteme in den porträtierten Ländern und beschreibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Wichtigste Botschaft des Berichts ist die Aufforderung an die jeweiligen Regierungen, sich mit drei Gruppen von Jugendlichen auseinanderzusetzen, die im Zusammenhang mit dem Thema Beschäftigung besonderes Augenmerk verlangen:
arbeitslose Jugendliche mit akademischem Abschluss,
Jugendliche mit unterbezahlten Jobs im informellen Sektor,
NEETs.

Folgende Empfehlungen werden in dem Bericht ausgesprochen:
  • die Erweiterung, abwechslungsreichere Gestaltung und qualitative Verbesserung der weiterführenden (Aus)Bildung, da Jugendliche in vielen mediterranen Ländern bereits mit 15 Jahren von der Schule abgehen,
  • die Stärkung der öffentlichen Arbeitsberatungsdienste, insbesondere im Hinblick auf Jobangebote und Berufsberatung für junge Frauen,
  • die Förderung von (Klein-)Unternehmertum und Start-ups, da die Region einen im europäischen Vergleich (6 Prozent) viel höheren Anteil an Selbständigen hat (15 Prozent).
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  1. Zusammenfassung des Berichts (PDF, 356 KB):“Union for the Mediterranean Regional Employability Review 2011”
  2. Schon gehört: "NEETs"?

Sonntag, 17. Juli 2011

Brüssel: Vorschlag zur Neufassung der EU-Asylverfahrensrichtlinie

"Mit der Vorlage ihrer geänderten Vorschläge zur Neufassung der Aufnahmerichtlinie und der Asylverfahrensrichtlinie ist die Kommission ihrem Ziel, das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) bis 2012 zu vollenden, ein gutes Stück näher gekommen"  behaupet die Europäische Kommission zumindest in einer Presseaussendung v. 1.6.2011.

Weiter: Diese Vorschläge sollen im Interesse der Mitgliedstaaten und der Menschen, die um internationalen Schutz nachsuchen, für zügigere, gerechtere und effizientere Verfahren sorgen. Sie sind das Ergebnis mehrjähriger Verhandlungen im Ministerrat und im Europäischen Parlament sowie von Konsultationen mit Flüchtlingsorganisationen und dem UNHCR. Die Verhandlungen müssen sich jetzt auf die noch offenen Fragen des Asylrechtspakets konzentrieren.

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