UNESCO-Weltbildungsbericht 2012: "Youth and skills: Putting education to work"

Der seit 2002 jährlich erscheinende UNESCO-Weltbildungsbericht evaluiert, wie weit sich die Länder den sechs Bildungszielen angenähert haben, die sie nach der Selbstverpflichtung auf dem Weltbildungsforum "Education for All" (EFA) in Dakar bis 2015 erreichen wollen. Der  Weltbildungsbericht 2012 steht unter dem Titel "Youth and skills: Putting education to work".

Ergebnisse des Weltbildungsberichts 2012. Der diesjährige Weltbildungsbericht beschäftigt sich intensiv mit der Qualifikation Jugendlicher. Weltweit fehlen Millionen Jugendlichen die schulischen Voraussetzungen, um erfolgreich in einen Beruf einzusteigen. Jeder achte Jugendliche weltweit ist arbeitslos. Über ein Viertel aller Jugendlichen übt eine Tätigkeit aus, die ihn an oder unter der Armutsgrenze leben lässt. Der Bericht untersucht diese Problematik und bietet unterschiedliche Handlungsempfehlungen, wie dieser gefährdeten Generation neue Chancen geboten werden können.

Fehlende Basisqualifikationen. Der Bericht betont, dass der Abschluss der unteren Sekundarstufe das Minimum ist, um die Kenntnisse zu erlangen, die man für die Ausübung eines guten Berufs braucht. Jedoch gibt es immer noch 250 Millionen Kinder im Grundschulalter, die weder lesen noch schreiben können. 71 Millionen Teenager besuchen keine Sekundarschule. In Entwicklungsländern haben 200 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren noch nicht einmal die Grundschule abgeschlossen. Somit fehlen diesen Jugendlichen die Basisqualifikationen.

Relevante Schlüsselqualifikationen. Arbeitgeber verlangen von Bewerbern, dass diese neben den schulischen Basisqualifikationen auch sogenannte Schlüsselqualifikationen mitbringen: Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz, Führungsqualität, Kreativität. Diese Kompetenzen werden nicht durch Lehrbücher vermittelt, sondern durch eine qualitativ hochwertige und umfassende Bildung. Fähigkeiten abseits der fachlichen Qualifikation sind nötig, um das Leben und den Berufsalltag zu meistern.

Jeder Bildungsdollar verzehnfacht sich. Alle Jugendlichen müssen eine qualitativ hochwertige Sekundarschulbildung erhalten, berufsrelevante Kenntnisse und Schlüsselqualifikationen müssen vermittelt werden. Es ist daher dringend notwendig, mehr Mittel für die Qualifikation Jugendlicher bereitzustellen. Eine Investition in Bildung lohnt sich auch aus volkswirktschaftlicher Sicht: Der Bericht schätzt, dass jeder US-Dollar, der für die Bildung eines Menschen ausgegeben wird, während dessen Arbeitsleben zwischen 10 und 15 US-Dollar Wirtschaftswachstum erbringt.

Ziele. Drei Jahre vor Ablauf der Frist im Jahr 2015 zeigt sich, dass die im Jahr 2000 in Dakar festgeschriebenen EFA-Ziele in vielen Bereichen nicht erreicht werden können. Gleichzeitig zeigen beeindruckende Erfolge in manchen der ärmsten Länder der Welt, dass mit dem gemeinsamen Engagement der Weltgemeinschaft, von Regierungen, Organisationen und Geberländern einiges erreicht werden kann.

61 Millionen Kinder ohne Grundschule. Seit 1999 ist die Anzahl der Kinder in vorschulischen Einrichtungen um fast die Hälfte gestiegen. Trotzdem kann immer noch eines von zwei Kindern nicht von frühkindlicher Förderung profitieren. Die Zahl der Kinder im Grundschulalter, die keine Schule besuchen, ist seit 1999 von 108 Millionen auf 61 Millionen gesunken. Drei Viertel dieses Rückgangs wurden bis 2004 erreicht, zwischen 2008 und 2010 wurden dagegen kaum Fortschritte erzielt. In Westsahara-Afrika erhöhte sich die Zahl sogar um 1,6 Millionen. Dort lebt die Hälfte aller Kinder, die keine Grundschule besuchen.

Geschlechtergerechtigkeit als Zukunftschance. Die Verringerung der geschlechtsspezifischen Differenz bei der Einschulung in die Grundschule ist einer der größten Erfolge des EFA-Aktionsplans. Die Anzahl der Länder, in denen Mädchen extremen Benachteiligungen ausgesetzt sind, sank von 16 Ländern im Jahr 1990 auf elf im Jahr 2000. Im Jahr 2010 gab es extreme Benachteiligung – gemessen am Geschlechterparitätsindex, der das Verhältnis von Jungen und Mädchen bei der Einschulung ausdrückt – nur noch in einem Land: Afghanistan. Und auch dort wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte in Richtung einer Geschlechtergleichheit gemacht. Aber nicht nur Mädchen sind von Benachteiligung betroffen, in vielen Ländern herrscht ein Geschlechtermissverhältnis zu Ungunsten der Jungen. Diese brechen häufig die Sekundarschule ab, weil sie früh in den Arbeitsmarkt einsteigen müssen.

Bildungsqualität. Nicht nur der Zugang zu Bildung sollte für alle sichergestellt werden, es sollte auch ein besonderer Fokus auf die Bildungsqualität gelegt werden. 130 Millionen Kinder weltweit schließen die Grundschule ab, ohne die wesentlichen Grundkenntnisse erworben zu haben. Eine verbesserte Lehrerausbildung ist der Schlüssel zu höherer Bildungsqualität. Bis 2015 müssten insgesamt 5,4 Millionen neue Lehrer eingestellt werden, um das Ziel "Bildung für alle" zu erreichen. Darüber hinaus müssen Programme entwickelt werden, um auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse von Mädchen und Jungen einzugehen.

Sparpakete stören Bildungsfinanzierung. Im Rahmen umfassender Sparpakete kürzen viele Geberländer ihre Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit. Bei einigen Ländern ist der Bildungsbereich besonders von Streichungen betroffen. Um solche Tendenzen abzufangen, müssen neue Möglichkeiten der Finanzierung ermittelt werden. Viele Entwicklungsländer sind reich an Bodenschätzen. Werden die Erträge richtig kanalisiert, bieten sie ein großes Potenzial für die Bildungsfinanzierung. Darüber hinaus treten neue Geberländer wie Indien, China oder Brasilien auf die Bildfläche der Entwicklungszusammenarbeit und können viel zu einer Verbesserung der globalen Bildungssituation beitragen.

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UNESCO: Education for All Global Monitoring Report 2012. Youth and skills: Putting education to work.
5.11.12  [Letzte Aktualisierung  5.11.12] Das Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.

Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt:
Contents
Foreword
Acknowledgements
List of figures, tables and text boxes
Overview 1
Part 1. Monitoring progress towards the EFA goals 34
The six EFA goals 36
Goal 1: Early childhood care and education 39
Panel 1.1: Early childhood nutrition is improving globally, but progress is too slow and uneven 41
Panel 1.2: The ECCE index,.a.new instrument for monitoring goal 1 45
Policy focus: Preparing children for school by expanding pre-primary education 48
Goal 2: Universal primary education. 58
Panel 1.3: Progress in reducing numbers of children out of school has stalled 60
Panel 1.4: Entering school on time is critical 64
Panel 1.5: Progression through primary school varies between and within countries 66
Policy focus: Reducing costs of primary school for the poorest 69
Goal 3: Youth and adult learning needs 80
Panel 1.6: Promising progress towards measuring skills development 82
Policy focus: Life skills education can help tackle HIV and AIDS 84
Goal 4: Improving levels of adult literacy 90
Panel 1.7: Progress in reducing adult illiteracy has been slow 92
Panel 1.8: LAMP deepens understanding of literacy contexts 94
Panel 1.9: Completing primary school does not guarantee literacy for all 96
Policy focus: Strengthening adult literacy in rich countries 98
Goal 5: Assessing gender parity and equality in education 106
Panel 1.10: Girls face obstacles in entering school 108
Panel 1.11: Gender disparities in learning outcomes persist 111
Policy focus: Challenging disadvantage and disengagement among boys in secondary school 113
Goal 6: The quality of education 122
Panel 1.12: Millions of primary school-age children are failing to learn the basics 124
Panel 1.13: Learning achievement within countries varies with socio-economic status 127
Policy focus: Addressing the crisis in early grade teaching 130
World Inequality Database on Education (WIDE)136
Financing Education for All 138
Monitoring progress on financing Education for All 141
Trends in financing Education for All, 1999–2010 142
Has aid to education reached its peak? 145

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