Die Lügen des Bologna-Prozesses: Rückgang der Mobilität bei Arbeiterstudenten

Wie mobil macht Bologna – und wen?

Nach wie vor gehen (deutsche Studierende), deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, seltener ins Ausland als ihre Kommilitonen aus Akademikerhaushalten. Dies zeigt eine Studie der Bildungssoziologin Claudia Finger: Trotz der europäischen Studienreformen haben bislang weder die räumliche Mobilität noch deren soziale Durchlässigkeit zugenommen.

Im Jahr 1997, also vor den Bologna-Reformen, lag der Anteil der mobilen Studierenden unter Akademikerkindern nach Fingers Berechnungen bei 14 Prozent und damit um gut drei Prozentpunkte über dem der Nicht-Akademikerkinder. Deren Vorsprung hat sich bis 2006 auf fast sechs Prozentpunkte erhöht: Während ihre Auslandsquote auf immer noch bescheidene 16 Prozent anstieg, zeigten die Nicht-Akademikerkinder jetzt mit zehn Prozent sogar weniger Mobilität als 1997.

„Die Akteure der deutschen Bildungspolitik unterschreiben zwar die Bologna-Forderungen nach erhöhter und sozial durchlässigerer Mobilität, die Umsetzung hinkt der Rhetorik aber oft hinterher“, folgert WZB-Forscherin Claudia Finger. Zwar gebe es seit 2001 die Möglichkeit, das BAföG ins Ausland mitzunehmen – die nach wie vor schlechte grenzübergreifende Verzahnung von Studienverläufen verlängere jedoch häufig das Studium und erhöhe so die Kosten für den Einzelnen. Die Höhe einiger Stipendien, insbesondere im ERASMUS-Programm, bewege sich ohnehin oft auf Taschengeldniveau. Bildungssoziologin Finger empfiehlt außerdem, bereits im Schulalter längere Auslandsaufenthalte zu fördern: Dies erhöhe nachweislich die Reiselust während des Studiums.

In ihrer Masterarbeit an der FU Berlin, für die sie den Preis der Gesellschaft für Hochschulforschung 2012 erhalten hat, hat Claudia Finger bekannte Erkenntnisse zur studentischen Mobilität im Bologna-Prozess erstmals mit der sozialen Frage verknüpft. Als Eckdaten vor und nach Bologna hat sie die Daten der 15. und 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus den Jahren 1997 und 2006 herangezogen. Einige Ergebnisse ihrer Studie sind veröffentlicht im WZBrief Bildung: „Steht die Welt allen offen? Bologna und die internationale Mobilität von Studierenden“.

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WZBrief Bildung  Steht die Welt allen offen?  - Bologna und die internationale Mobilität der Studierenden - Claudia Finger


[Letzte Aktualisierung 17.5.12] 


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