Ein Europa für den freien Sonntag

Ein noch loses Netzwerk mehrerer bereits bestehender Allianzen auf nationaler Ebene, von kirchlichen Gruppierungen, Gewerkschaften, Familienorganisationen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen - insgesamt über fünfzig Initiativen - kamen am 20. Juni 2011 zum offiziellen Gründungsakt der "Europäischen Sonntagsallianz" / "European Sunday Alliance" in Brüssel zusammen. Das mit einem Experten-Hearing verbundene Treffen  fordert, dass gerechte und angemessene Arbeitsbedingungen Europas Arbeitswelt bestimmen und dass der arbeitsfreie Sonntag in der Arbeitszeitrichtlinie verankert wird.

Kein Krieg der Symbole. Ein gemeinsamer wöchentlicher Ruhetag solle den Bezugspunkt für die Zeitgliederung in Staat und Gesellschaft und in einem kollektiven Zeitrhythmus in allen EU-Mitgliedsstaaten bringen. Damit wird der Sonntag über ein nur religiöses Symbol gestellt, denn als solches taugt es ja nur mäßig zur Durchsetzung, sind ja Muslime auf den Freitag und Juden auf den Sabbat (Samstag) hin orientiert. Evangelikale Freikirchen wie etwa die Adventisten orientieren sich ebenfalls am Samstag.

Ausgangspunkt für diese verstärkten Aktivitäten war die "PROTECTION OF A WORK-FREE SUNDAY. First European Conference" am 24. März 2010 im Europäischen Parlament in der belgischen Hauptstadt.  Dort wurde auch die Gründungserklärung ausgearbeitet. Nun will man eine institutionelle Verankerung (als Verein) vorantreiben um diese berechtigten Interessen der Entschleunigung effizienter durchzusetzen.

Historische Dimension. Bei Befürwortern und Gegner geht angesichts der Tagesaktuallität völlig unter, dass das Bündnis eine historische Dimension in sich birgt, dass der seit Ende das  19. Jahrhunderts klaffende Gegensatz zwischen Kirchen, christlicher Gesellschaftslehre und den vorwiegend sozialdemokratisch und links angesiedelten Arbeitnehmerorganisationen und Gewerkschaften in der Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik nicht nur einer gänzlichen Überwindung zusteuert und neue Solidaritäten und Aktionen ermöglicht und gebiert. Nicht zuletzt werden dadurch auch die im 20. Jahrhundert ausgelösten ideologischen Verwerfungen und Verfehlungen korrigiert werden können.

Viel Grund für Hoffnung.

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