EU schlägt nationales System des Nachweises von nicht formalem und informellem Lernen vor

Der mehrfach von der Europäischen Kommission angekündigte und mehrfach verschobene Vorschlag zur Validierung der Ergebnisse des nicht formalen und informellen Lernens liegt jetzt vor. Die Ratsempfehlung soll im Bildungsministerrat am 22. November dieses Jahres angenommen werden. 

In den europäischen Ländern wird zunehmend auf die Notwendigkeit hingewiesen, nicht nur die Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen anzuerkennen, die in Schule, Hochschule und anderen Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung erworben wurden, sondern auch die Lernergebnisse zu berücksichtigen, die der Einzelne außerhalb des formalen Bildungssystems erzielt hat.

Damit solchen Lernerfahrungen Rechnung getragen werden kann, müssen neue Ansätze zu ihrer Validierung, d. h. Feststellung, Dokumentation, Beurteilung und/oder Bestätigung entwickelt werden, so dass der Einzelne das Erlernte für sein berufliches Fortkommen und seine Weiterbildung nutzen kann. Dies ist nicht nur eine Hilfe für den Einzelnen, sondern auch ein Beitrag zu intelligentem, nachhaltigem und integrativem Wachstum.

Aus diesem Grund hat die Kommission einen Vorschlag für eine Empfehlung des Rates vorgelegt, mit der die Mitgliedstaaten aufgerufen werden, bis 2015 ein mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen verknüpftes Validierungssystem einzuführen. Es soll den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit eröffnen, auf der Grundlage validierter Erfahrungen mit dem nichtformalen und informellen Lernen eine vollständige oder teilweise Qualifikation zu erhalten.

Vorteile der Validierung. Systematische Validierungsverfahren würden aufzeigen, über welche Fähigkeiten die europäische Erwerbsbevölkerung verfügt. Sie würden eine bessere Abstimmung des Qualifikations- und Arbeitskräftebedarfs aufeinander ermöglichen und Qualifikationsdefiziten in Wachstumsbranchen entgegenwirken. Sie würden den transfer von Fähigkeiten zwischen Unternehmen und Branchen erleichtern. Sie würden die Bürgerinnen und Bürger darin unterstützen, sich frei in der EU zu bewegen, um dort leben und arbeiten zu können, wo sie möchten.

Was ist nichtformales Lernen? Allgemein gesagt handelt es sich beim nichtformalen Lernen um das Lernen außerhalb des formalen Schul , Berufsbildungs- und Hochschulsystems, das im Rahmen geplanter Tätigkeiten (in Bezug auf Lernziele und Lernzeiten) stattfindet und in gewisser Weise unterstützt wird. Dazu gehören:
  • Programme zur Vermittlung von im Beruf benötigten Fähigkeiten sowie von Grundbildung für Schulabbrecher und Alphabetisierungskurse für Erwachsene,
  • innerbetriebliche Weiterbildung,
  • strukturiertes Online-Lernen,
  • Kurse, die Organisationen der Zivilgesellschaft für ihre Mitglieder, ihre Zielgruppe oder die Allgemeinheit organisieren.
Was ist informelles Lernen? Informelles Lernen ist unter dem Gesichtspunkt der Lernziele, Lernzeiten oder einer etwaigen Unterstützung weder organisiert noch strukturiert. Beispiele für durch informelles Lernen erzielte Lernergebnisse sind Fähigkeiten, die jemand sich durch Lebens- und Berufserfahrung (manchmal unbeabsichtigt) aneignet, z. B.
  • die am Arbeitsplatz erworbene Fähigkeit, ein Projekt zu leiten, oder am Arbeitsplatz erworbene IKT-Fertigkeiten,
  • während eines Auslandsaufenthalts erworbene Sprachkenntnisse oder interkulturelle Fähigkeiten,
  • außerhalb des Arbeitsplatzes erlangte IKT-Fertigkeiten,
  • Fähigkeiten, die durch freiwillige, kulturelle oder sportliche Aktivitäten, in der Jugendarbeit oder zu Hause (z. B. Kinderbetreuung) erworben werden.
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Vorschlag für eine Empfehlung des Rates zur Validierung des nicht formalen und informellen Lernens
Zusammenfassung der Folgenabschätzung
Europäische Leitlinien für die Validierung nicht formalen und informellen Lernens
Fachkräfteportal der deutschen Kinder- und Jugendhilfe: EU-Kommission empfiehlt nationales System zur Validierung von nicht formalem und informellem Lernen
24.9.12  [Letzte Aktualisierung  25.9.12] Das Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.

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