AK-Studie: Nur Verteilungspolitik ist Krisenbewältigung

Die immer größere Kluft zwischen Arm und Reich nutzten die Spekulanten in den letzten Jahren aus, bis sie damit die größte Finanzkrise seit den 1930-er Jahren verursachten. Zu diesem Schluss kommt der Wirtschaftswissenschafter Engelbert Stockhammer von der Londoner Kingston University in einer Studie im Auftrag der Wiener Arbeiterkammer.
Das fordert die Arbeiterkammer:
1. ein Programm für mehr Verteilungsgerechtigkeit
2. Lohnwachstum als Voraussetzung für Konsumwachstum ohne Verschuldung
3. eine Steuerstrukturreform: Arbeit muss entlastet werden, Vermögen müssen einen stärkeren Beitrag zu den öffentlichen Haushalten leisten
4. rasche Einführung einer Finanztransaktionssteuer, damit auch die Krisenverursacher ihren Beitrag zur Bewältigung der Krisenschulden tragen
5. Zudem muss unkontrollierten Spekulationen und unregulierten Finanzmärkten ein Riegel vorgeschoben werden, um den gesamten Mechanismus der Krisenentstehung einzuschränken.
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist die schärfste seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Als Ursachen der Krise werden zumeist Entwicklungen im Finanzsektor angeführt: 
  • die Deregulierung des Finanzsystems, das u.a. das originate-and-distribute Bankenmodell (Kredite werden vergeben und „weiterverkauft“) ermöglichte; die Entwicklung neuer Finanzinstrumente wie der mortgage backed securities (MBS), collateralized debt obligations (CDO) und credit default swaps (CDS), falscher Gehaltsschemata für Manager, die Anreize  gaben erhöhte Risiken einzugehen;
  • die zu expansive Geldpolitik der FED nach dem Börsenkrach 2000; die Basel II Regulierung, die de facto einen Anreiz schuf Kredite weiterzuverkaufen bzw. mit CDS zu „versichern“;
  • internationale Außenhandelsungleichgewichte und die zugehörigen Kapitalflüsse (manchmal „savings glut“ genannt). 

Zu diesen Punkten gibt es eine umfangreiche Diskussion und eine reichhaltige Literatur. Einer der dramatischen sozioökonomischen Veränderungen seit 1980 erhält jedoch vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit als potenzielle Krisenursache: die Polarisierung der Einkommensverteilung (Stiglitz und Fitoussi 2009, Stockhammer2009a, 2009b, Horn et al 2009). Dieser Aspekt wird in dieser Studie näher ausgeleuchtet.

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Studie: Von der Verteilungs- zur Wirtschaftskrise - Die Rolle der zunehmenden Polarisierung als strukturelle Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise - Ao Prof Dr Engelbert Stockhammer, PDF.
28.6.11/1. [Letzte Aktualisierung 20.5.12] 

1 Kommentar:

  1. Das berühmte "Brett vorm Kopf"

    “Wenn wir einmal die Natürliche Wirtschaftsordnung erleben, dann braucht man sie nicht mehr in Büchern zu studieren, dann wird alles so klar, so selbstverständlich. Wie bald wird dann auch die Zeit kommen, wo man den Verfasser bemitleiden wird, nicht aber, wie es heute noch geschieht, weil er solch utopischen Wahngebilden nachstrebt, sondern weil er seine Zeit der Verbreitung einer Lehre widmete, die ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht.”

    Silvio Gesell (Vorwort zur 5. Auflage der NWO)

    “Ich glaube - und hoffe - auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.”

    Arthur C. Clarke (Vorwort zu PROFILE DER ZUKUNFT)

    Ab dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) werden "Spitzenpolitiker" und "Wirtschaftsexperten" obsolet, während allgemeiner Wohlstand zur Selbstverständlichkeit wird.

    Um die "Finanzkrise" (beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes) abzuwenden, muss das arbeitende Volk lediglich damit aufhören, die Mächtigen (die Allerdümmsten) zu beneiden, während sich Letztere vor allem davor fürchten, ihr "Brett vorm Kopf" zu verlieren:

    http://www.deweles.de/files/benedikt_100419.pdf

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